Patient*innensicherheit in unsicheren Zeiten

Die Covid-19-Pandemie hat unsere Vorstellung von Patient*innensicherheit verändert. War der Besuch in einer Ordination früher etwas selbstverständliches, lauerte nun dort die Gefahr, sich zu infizieren. Die Medien berichteten über Ärzt*innen, die überarbeitet, und Spitälern, die überlastet waren, von Beatmungsgeräten, die fehlten. Dies stellte viele vor die Frage, ob der nächste Arztbesuch noch warten könne – und ob man selbst eine künstliche Beatmung wollte, sollte das Schlimmste eintreten.

Das Ludwig Boltzmann Institute Digital Health and Patient Safety (LBI DHPS) führte darum zwischen Dezember 2020 und Juni 2021 eine Befragung in zwei Wellen durch, in denen in Österreich lebende Personen über 65 Jahre gefragt wurden, ob und wie sich ihr Gesundheitsverhalten durch die Covid-19-Pandemie geändert hat, insbesondere, ob sie rechtliche Instrumente zur Selbstbestimmung in medizinischen Belangen (Patient*innenverfügung, Vorsorgevollmacht) nutzen und aufgrund der Covid-19-Pandemie errichtet und/oder angepasst haben. Weiter Fragen befassten sich mit der Fahrtauglichkeit der Teilnehmer*innen und erhoben ihre selbst eingeschätzte Lebensqualität nach einem Messinstrument der Weltgesundheitsorganisation.

Die Ergebnisse wurden von uns statistisch ausgewertet und grafisch aufbereitet.

Ergebnisse

Die Lebensqualität war durchschnittlich hoch; die Befragten klagten nur selten über starke Schmerzen oder fühlten sich in ihrer Autonomie eingeschränkt. Männer hatten eine leicht bessere Selbsteinschätzung als Frauen, was an physischen ebenso wie soziokulturellen Faktoren liegen könnte.
Durch die Covid-19-Pandemie nahmen Sorgen und Ängsten bei Frauen stärker zu als bei Männern. Größte Sorge hatten bei Befragten, aufgrund von Ressourcenmangel schlecht im Klinikum versorgt zu werden; danach kann die Sorge von sozialer Isolation und Hobbies nicht mehr ausüben zu können.
Überraschend war, dass nur die allerwenigsten (>1%) aufgrund der Covid-19-Pandemie eine Patient*innenverfügung oder Vorsorgevollmacht errichteten. Als Hauptgrund gegen die Errichtung wurde genannt, dass man sich in diesem Falle auf die Entscheidung seiner Angehörigen verlasse; auch Zeit- und Kostengründe wurden genannt.

a.

Projektpartner

Institut für Ethik und Recht in der Medizin

Ansprechperson

Dipl.-Jur. Ann-Kathrin Ruf, MA

ta.ca.gbl.sphd@fur.nirhtak-nna