08.03.2022 von Ludwig Boltzmann

Impfkommunikation mit ungeimpften Mitarbeiter:innen von Sozialeinrichtungen – Aufklärung oder Impfpflicht?

Eine Studie vom LBI Digital Health and Patient Safety zeigt, dass sich sowohl geimpfte als auch ungeimpfte Mitarbeiter:innen ausreichend informiert sehen, die Meinung über die Impfung dennoch stark auseinander geht.

Wien, 24.02.2022. Die COVID-19-Schutzimpfung stellt bis dato die zentrale Maßnahme in der Pandemiebekämpfung dar. Personen, die beruflich mit vulnerablen Gruppen (z. B. in Pflegewohnhäusern) zu tun haben, tragen eine besondere Verantwortung, sich und andere zu schützen. Laut Angaben der Betreiber:innen der ausgewählten Sozialeinrichtungen waren im Dezember 2021 noch 12% aller Mitarbeiter:innen ungeimpft.

Das Ludwig Boltzmann Institute Digital Health and Patient Safety (LBI DHPS) führte daher im Dezember 2021 und Jänner 2022 eine Studie durch, in der Mitarbeiter:innen von Sozialeinrichtungen in Wien und Niederösterreich zu ihrer Meinung bezüglich der kommenden Impfpflicht befragt wurden. „Unser Ziel war es, die Gründe für bzw. gegen eine Impfung zu eruieren, um die Beweggründe besser zu verstehen“, erklärt Studienleiterin Dr. Maria Kletecka-Pulker, Direktorin des LBI DHPS.

Auswertung zeigt die gespaltene Meinung in der Gesellschaft zu Impfung und Impfpflicht

Ein Großteil der Geimpften gab an, sich für die Impfung entschieden zu haben, um sich und andere zu schützen (80% bzw. 74% Zustimmung).  Auf der anderen Seite gaben 59% der Ungeimpften Sorgen vor Impfschäden als Gründe gegen die Impfung an. 42% der ungeimpften Mitarbeiter:innen befanden, dass die Pandemie „Panikmache“ sei; ebenfalls 42% verwiesen auf Familienmitglieder, Freund:innen oder Bekannte, die nach der Impfung Nebenwirkungen wie Kopfschmerzen oder Fieber verspürt hatten. Weitere 35% gaben an, kein Vertrauen in die Expert:innenmeinungen zu haben. Weitere Gründe gegen eine Impfung waren, dass man sich bereits anders schütze (29%), sich nicht von der Regierung kontrollieren lassen wolle (28%) und COVID-19 für keine besorgniserregende Krankheit halte (22%). Jede/r Fünfte (20%) gab zudem an, auf einen anderen Impfstoff zu warten.

Information scheint ausreichend verfügbar

An einem zusätzlichen Bedarf an Informationen liegt es wohl nicht. Nur 5% gaben an, ungeimpft zu sein, weil sie sich nicht gut genug informiert fühlten. „Dies stellt Arbeitgeber:innen vor eine große Herausforderung, vor allem hinsichtlich ihrer diesbezüglichen Kommunikation mit Angestellten.“, fasst Ass.-Prof. Dr. Mag. Sabine Völkl-Kernstock, Gesundheitspsychologin am LBI DHPS, zusammen. Co-Investigator am LBI DHPS Dr. Thomas Wochele-Thoma ergänzt: „Wer glaubt, bereits alle Informationen zu kennen, fasst Kommunikationsmaßnahmen, die der eigenen Meinung widersprechen schnell als Druck, Zwang oder übertriebene Panikmache auf. Unsere Studie zeigt, dass Ungeimpfte den Arbeitgeber bei der Impfkommunikation signifikant häufiger als manipulativ wahrnehmen als geimpfte Kolleg:innen“

Das LBI DHPS hält die Impflicht daher für eine notwendige Maßnahme, die aber von weiteren Aktivitäten begleitet werden muss, um vor allem in der Gruppe der ungeimpften Personen wieder Vertrauen herzustellen.